faszinierende Klänge

Begehbare Hörspiele

Die Hörgänge haben natürlich auch Vorbilder und „Inspirationsquellen“. Es hat in den vergangenen Jahren verschiedene, sehr beeindruckende Hörspiel-Projekte gegeben, die – wie die Hörgänge auch – nicht für das Radio, sondern für den öffentlichen Raum gemacht wurden. Drei besonders faszinierende Beispiele sollen an dieser Stelle kurz einmal vorgestellt werden.
Wer demnächst also zufällig durch Berlin, Dresden, Köln oder München kommt, der kann sich gleich etwas Zeit reservieren und die folgenden Hörspiele „aufsuchen“ und erkunden.
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Michaela Melián: „memoryloops.net“ (München)

memoryloops-net

Copyright: Michaela Melián & Surface.de | Memory Loops 2010 (ein Klick auf das Bild führt übrigens zur Projektseite)

In ihrer Machart sind die ‚Memory Loops‘, die Tonspuren dieses Projektes der Künstlerin Michaela Melián, sehr zurückhaltend, klar und minimalistisch inszeniert. Um so intensiver wirkt dadurch die in den Episoden dokumentierte Geschichte auf den Hörer. „memoryloops.net“ basiert auf Originaldokumenten und Zeitzeugenberichten und versteht sich als akustisches und „virtuelles Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus“. Fünf der insgesamt 300 Tonspuren haben übrigens eine Länge von knapp einer Stunde und beziehen sich nicht auf einen einzelnen Ort, sondern haben einen bestimmten thematischen Schwerpunkt. Sie ‚funktionieren‘ eher wie ein konventionelles (Radio-)Hörspiel. Man findet sie als Download unter der Rubrik „Hörspiel“ auf der Seite.

Sehr beeindruckendes und extrem gut gemachtes Projekt!
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Rimini Protokoll: „50 Aktenkilometer“ (Berlin) und
„10 Aktenkilometer“ (Dresden)

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Die Gruppe Rimini Protokoll (Helgard Haug, Stefan Kaegi und Daniel Wetzel) hat mit „50 Aktenkilometer“ zunächst im Mai 2011 ein „begehbares Stasi-Hörspiel“ für den öffentlichen Raum von Berlin-Mitte konzipiert. Ein zweites Projekt mit dem Titel „10 Aktenkilometer“ entsteht noch in diesem Jahr in Dresden.
In beiden Projekten bekommen die in den erhaltenen Stasi-Akten dokumentierten Geschichten von Bespitzelung, Verfolgung, Einschüchterung und Misstrauen mit den Mitteln des Hörspiels auch noch einmal ihren genauen Ort. Als Hörerin/Hörer begegnet man den Betroffenen dieses Systems im Originalton, hört ihnen beim Lesen der eigenen Stasi-Akte zu und erlebt dadurch sehr direkt noch einmal Ausschnitte des ‚ganz normalen‘ Alltags der DDR.

Umfangreiches und z.T. sehr persönliches Hörspielprojekt, durch das der öffentliche Raum definitiv ein verändertes Gesicht bekommt.
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Hofmann&Lindholm:
„Archiv der zukünftigen Ereignisse“ (Köln)

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Das Autoren- und Regieduo Hofmann&Lindholm (Hannah Hofmann und Sven Lindholm) beschäftigt sich in seinen Projekten immer wieder mit „Interventionen“, mit Eingriffen in den öffentlichen Raum. Hofmann&Lindholm realisieren diese durch Hörspiele, Theaterproduktionen und Installationen.
Während die oben vorgestellten Projekte von Michaela Melián und Rimini Protokoll einen klaren dokumentarischen Charakter haben und in der Vergangenheit liegende Schichten der entsprechenden Orte freilegen, geht das Hörspielprojet „Archiv der zukünftigen Ereignisse“ genau in die entgegengesetzte Richtung und präsentiert als Hörspiel vor Ort „zukünftige O-Töne“.

Sehr interessantes und immer wieder auch amüsantes Hörspiel-Projekt, das nach und nach von der Gegenwart eingeholt wird …
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